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Goldreserve

Als Goldreserve werden nationale Goldbestände bezeichnet, die meist im Verantwortungsbereich einer Zentralbank oder eines Finanzministeriums stehen.

Inhaltsverzeichnis

Zweck nationaler Goldreserven

Die weltweiten offiziellen Goldreserven 2006
Internationale Goldreserven 1957-2007

Der Zweck nationaler Goldreserven bestand früher zumeist in der Deckung von Währungen (Goldstandard). Heute wird Gold vorwiegend als nationale Reserve für Krisenzeiten aufbewahrt. Der Staat kann durch Verkäufe des Goldes beispielsweise unerwartete Sonderausgaben bestreiten, und sich damit gegen Katastrophen absichern.

Die überwiegende Zahl der Notenbanken reduzierte ihre Goldbestände. Der Anteil der internationalen Goldreserven an den gesamten Währungsreserven ist in den letzten drei Jahrzehnten durch Verkäufe und eine geringere Bedeutung für die Währungssicherung von 60 Prozent 1980 auf zehn Prozent 2006 zurückgegangen.[1] Neben der abnehmenden Bedeutung von Goldreserven für das Vertrauen in die Notenbanken spielen vor allem zwei Gründe eine Rolle:

  • Die Goldbestände werden nicht verzinst. Die Umschichtung der Goldbestände in verzinsliche Anlagen erhöht daher die Gewinne der Notenbanken
  • In den Bilanzen der Notenbanken sind die Goldbestände mit den (niedrigen) Anschaffungskosten bilanziert. Der Verkauf zu den aktuell höheren Marktpreisen führt zu einem bilanziellen Gewinn

Da die Deutsche Bundesbank unabhängig ist, obliegt es ihr allein, ob sie einen Teil ihrer Reserven verkauft oder nicht. Die Staaten mit den größten Goldreserven haben sich darauf geeinigt, nicht ohne Absprachen Gold auf den Markt zu bringen, um so den Goldpreis zu stabilisieren. Ein gleichzeitiger Verkauf der Goldreserven aller Notenbanken würde den Goldpreis zusammenbrechen lassen und der erzielte Erlös läge weit unter dem theoretischen Marktwert.

Am 26. September 1999 schlossen in Washington D. C. 15 europäische Notenbanken (darunter auch die Europäische Zentralbank) das sogenannte Central Bank Gold Agreement (CBGA), in welchem die Volumina der Goldverkäufe für die folgenden fünf Jahre geregelt wurden. Das erste Abkommen CBGA I (1999-2004) erlaubte den Notenbanken pro Laufzeitjahr (jeweils beginnend am 27. September) den Verkauf von maximal 400 Tonnen. Im Rahmen von CBGA II (2004-2009) wurde die maximale Verkaufsmenge auf 500 Tonnen pro Laufzeitjahr angehoben.[2] Im Goldabkommen CBGA III (2009-2014) wurde eine maximale Verkaufsmenge von 400 Tonnen pro Jahr vereinbart.[3] In dem Vertrag besitzt Deutschland eine Option auf einen Verkauf.

Deutsche Goldreserven

Goldbarren aus den Beständen der Deutschen Bundesbank

Im September 2009 besaß Deutschland 3.408,3 Tonnen Gold. Dies entspricht einem theoretischen Marktwert von zurzeit 85,1 Milliarden Euro. Zugrundegelegt wurde ein Preis von 24,95 Euro pro Gramm oder 776,17 Euro = 1.084 US-Dollar pro Feinunze. Der Goldanteil an den gesamten nationalen Devisenreserven lag bei 69,2 Prozent (2000 = 36,0 Prozent). Das Edelmetall ist in Barren mit einer Größe von 12,5 Kilogramm gegossen und wird überwiegend außerhalb der Grenzen Deutschlands, wo es entstanden ist, gehalten: Deutsche Goldbarren lagern in einem Tresor bei der Federal Reserve Bank of New York, bei der Bank of England in London und der Banque de France in Paris.[4]

In den 1950er und 1960er Jahren waren der Bundesbank dort aufgrund deutscher Exportüberschüsse die Goldreserven von anderen Nationen übertragen worden. Wegen der hohen Transport- und Baukosten neuer Tresore lehnt es die Bundesbank aus betriebswirtschaftlichen Gründen ab, die Goldbarren nach Deutschland zu schaffen. Das Gold dient hauptsächlich der natürlichen Absicherung gegen starke Schwankungen des Dollarkurses an den Devisenmärkten: Verluste bei den Dollarbeständen können teilweise durch Gewinne auf die Goldbestände ausgeglichen werden und umgekehrt. Einnahmen erzielt die Bundesbank auch im Goldleihgeschäft. So verleiht sie deutsches Gold kurzfristig an international tätige Banken.[5] Dabei geht die Bundesbank das Risiko des Goldverlustes ein. Gold kann nicht insolvent gehen, Goldforderungen aber können notleidend werden.

Spekulationen, Deutschland könne nicht frei über das Gold verfügen oder die Reserven befinden sich nicht mehr in den Tresoren, wies die Deutsche Bundesbank zurück. 2004 sagte Hans-Helmut Kotz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank: Das Thema Gold ist mythisch überfrachtet. Das begünstigt offenbar das Entstehen gänzlich unplausibler Theorien.[4]

Goldreserven der Welt

Die weltweiten offiziellen Devisenreserven 2006

Die weltgrößten Goldreserven besitzen die USA, gefolgt von Deutschland und dem Internationalen Währungsfonds (IWF), welcher jedoch am 19. September 2009 ankündigte, sich von insgesamt 403 Tonnen Gold, das heißt einem Achtel seiner Reserven zu trennen.[6] Am 3. November 2009 gab die Reserve Bank of India (RBI) den Kauf von 200 Tonnen des IWF-Goldes bekannt. Als potenzieller Käufer der anderen Hälfte des IWF-Goldes wird die Chinesische Volksbank gehandelt.[7]

Teile der Goldvorräte der USA werden beispielsweise in Fort Knox gelagert. Der größte Teil des Goldes der USA lagert im Keller der Federal Reserve Bank of New York in Manhattan. Dort betreibt die US-Notenbank für rund 60 Staaten das mit 550.000 Barren größte Goldlager der Welt. Die weltweiten in Banken gelagerten Goldreserven belaufen sich auf etwa 30.000 Tonnen. Die gesamte, jemals geförderte Goldmenge wurde 2006 auf etwa 153.000 Tonnen geschätzt.[8]

Die größten Goldbestände befinden sich in privaten Händen. Beispielsweise wird geschätzt, dass sich in Indien etwa 13.000 Tonnen Gold in privatem Besitz befinden.[9] Der gesamte Goldbesitz aller Zentralbanken umfasste 2006 nur 19 Prozent der weltweit vorhandenen Goldmenge.[10] Global werden etwa 70 Prozent des Goldes durch Juweliere verarbeitet, elf Prozent wird in Industrie (vor allem Elektronik) und Medizin (Zahnheilkunde) verbraucht und 13 Prozent werden durch Banken und Privatanleger für monetäre Zwecke in Form von Münzen und Barren verwendet.[8]

Die Tabelle zeigt die Entwicklung der weltweiten offiziellen Währungs-Goldreserven von Dezember 1970 bis September 2009 in Tonnen sowie den Goldanteil am Bestand der gesamten Devisenreserven im September 2009 in Prozent.[11]

Goldreserven in Tonnen und Goldanteil an den gesamten Devisenreserven
Rang
(2009)
Name
1970
1980
1990
2000
2009
Anteil
in %
1USA9.839,28.221,28.146,28.136,98.133,577,4
2Deutschland3.536,62.960,52.960,53.468,63.408,369,2
3IWF3.855,93.217,03.217,03.217,33.217,3
4Italien2.565,32.073,72.073,72.451,82.451,866,6
5Frankreich3.138,62.545,82.545,83.024,62.445,170,6
6China398,1395,0395,01.054,01,9
7Schweiz2.427,02.590,32.590,32.419,41.040,129,1
8Japan473,2753,6753,6763,5765,22,3
9Niederlande1.588,21.366,71.366,7911,8612,559,6
10Russland384,4568,44,3
11EZB747,4501,418,8
12Taiwan72,997,8421,0421,8423,63,9
13Portugal801,5689,6492,4606,7382,590,9
14Indien216,3267,3332,6357,8357,74,0
15Venezuela341,2356,4356,4318,5356,436,1
16Großbritannien1.198,1585,9589,1487,5310,317,6
17Libanon255,5286,8286,8286,8286,826,5
18Spanien442,6454,3485,6523,4281,638,9
19Österreich634,2656,6634,3377,5280,057,9
20Belgien1.306,61.063,1940,3258,1227,541,2
21Algerien170,1173,6159,9173,6173,63,5
22Philippinen49,859,789,8224,8157,911,9
23Libyen75,895,7112,0143,8143,84,5
24Saudi-Arabien105,8142,0143,0143,0143,012,3
25Schweden177,8188,8188,8185,4131,09,6
26Singapur127,4127,42,2
27Südafrika591,9377,9127,2183,5124,810,5
28BIZ250,6234,6242,6199,2120,0
29Türkei112,9117,2127,4116,3116,15,0
30Griechenland103,5119,3105,8132,6112,490,2
31Rumänien115,568,7104,9103,77,5
32Polen23,614,7102,8102,94,6
33Thailand72,877,477,073,684,02,1
34Australien212,4246,7246,779,779,95,5
35Kuwait76,679,079,079,079,012,6
36Ägypten75,775,675,675,675,67,2
37Indonesien3,574,596,896,573,13,9
38Kasachstan57,271,410,8
39Dänemark57,450,751,366,666,53,2
40Pakistan48,556,660,665,065,417,6
41Argentinien124,2136,0131,70,654,73,6
42Finnland25,730,762,349,049,115,6
43Bulgarien39,939,97,3
44UEMOA32,936,510,6
45Malaysia42,672,273,136,436,41,2
46Peru35,343,568,734,234,73,4
47Brasilien40,258,3142,165,933,60,5
48Slowakei40,131,885,6
49Bolivien11,323,627,829,228,310,7
50Ukraine14,126,41,9
51Ecuador17,012,913,826,326,325,1
52Syrien24,925,925,925,925,8
53Marokko18,721,921,922,022,03,0
54Nigeria17,821,421,421,421,41,4
55Weißrussland1,221,219,3
56Südkorea3,09,310,013,714,40,2
57Zypern13,314,314,314,413,944,1
58Niederländische Antillen17,417,017,013,113,131,6
59Serbien14,212,93,1
60Tschechien13,912,91,0
61Jordanien24,831,823,412,512,83,8
62Kambodscha12,412,412,5
63Katar5,814,825,90,612,42,3
64Laos0,50,58,8
65Mexiko156,464,128,67,88,10,3
66Lettland7,77,74,1
67El Salvador15,416,014,614,67,37,8
68CEMAC7,17,11,5
69Guatemala15,516,26,46,76,94,1
70Kolumbien15,186,719,510,26,90,8
71Mazedonien3,56,810,4
72Tunesien3,95,85,86,86,8
73Irak127,55,90,4
74Litauen5,85,83,0
75Irland14,211,111,25,55,515,6
76Sri Lanka2,01,910,55,38,4
77Bangladesch1,72,53,43,51,4
78Kanada702,7652,6459,236,83,40,2
79Slowenien0,03,211,5
80Aruba3,13,13,114,0
81Ungarn64,49,33,13,10,2
82Mosambik2,22,74,7
83Kirgisistan2,62,64,9
84Luxemburg13,714,210,72,42,315,2
85Tadschikistan0,22,2
86Hongkong7,12,12,10,0
87Island0,91,51,51,82,02,0
88Papua-Neuguinea1,82,02,02,02,8
89Trinidad und Tobago1,71,71,91,90,6
90Mauritius1,21,91,91,93,2
91Suriname7,71,71,78,01,66,9
92Albanien3,51,62,0
93Jemen1,61,61,60,7
94Kamerun0,90,90,90,90,9
95Honduras0,10,50,50,70,70,8
96Paraguay1,10,70,6
97Dominikanische Republik2,74,10,60,60,60,8
98Malta8,613,54,90,10,53,1
99Gabun0,40,40,40,6
100Zentralafrikanische Republik0,40,30,30,37,4
101Tschad0,40,30,30,31,1
102Kongo, DR44,39,33,40,00,30,3
103Uruguay143,5106,474,533,60,30,1
104Fidschi0,30,00,00,2
105Estland0,20,20,2
106Chile41,553,057,82,30,20,0
107Costa Rica1,92,70,30,10,10,0
Welt36.606,735.836,335.582,133.059,929.633,9

Einzelnachweise

  1. Bank for International Settlements: Veränderte Zusammensetzung von Währungsreserven, von September 2006
  2. Erste Bank: Special Report Gold, Juni 2008
  3. Financial Times Deutschland: Notenbanken erneuern Goldabkommen, vom 7. August 2009
  4. a b Manager Magazin: Goldreserven – 3440 Tonnen mythische Fracht, vom 1. Juli 2004
  5. Wirtschaftswoche: Bundesbank – Deutsche Goldreserven unverkäuflich, vom 9. März 2009
  6. IWF trennt sich von 403 Tonnen Gold, Meldung vom 19. September 2009 auf tagesschau.de, abgerufen am 19. September 2009
  7. Financial Times Deutschland: Umschichtung der Reserven – Inder treiben Goldpreis auf Rekord, vom 3. November 2009
  8. a b World Gold Council: Häufig gestellte Fragen über Gold (englisch)
  9. Bombay Stock Exchange: BSE review of markets 2004 (pdf)
  10. GoldSeiten.de: Erste Bank – Spezial Report Gold, vom 3. Mai 2007
  11. World Gold Council: World Gold Council Statistics (Registrierung und Login erforderlich)

World Gold Council

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