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Kempeitai

Der Kempeitai (jap. 憲兵隊, wörtlich: „Gesetzessoldatentruppe“) war der militärpolizeiliche Arm der Kaiserlichen Japanischen Armee von 1881 bis 1945. Er war weniger eine Militärpolizei im englischen Stil sondern eher an der französischen Gendarmerie orientiert. Daher übernahm er, während er offiziell ein Teil der Kaiserlichen Japanischen Armee war, auch militärpolizeiliche Aufgaben bei der Kaiserlichen Japanischen Marine unter Aufsicht des Marineministeriums (trotzdem hatte die Kaiserliche Japanische Marine mit der Tokkeitai ihre eigene Militärpolizei) und der zivilen Polizei unter Aufsicht des Innenministeriums und des Justizministeriums. Mitglieder der Kempeitai nannte man Kempei. [1]

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Kempeitai in der alliierten Propaganda oftmals als “japanische Gestapo” bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Kempei Offiziere in einem Zug, 1935

Der Kempeitai wurde 1881 durch die Kempei-Verordnung (憲兵条例, kempei jōrei) geschaffen.[2] Sein Vorbild war die französische Gendarmerie. Die Details der militärischen, exekutiven und polizeilichen Aufgaben wurden im Kempei Rei von 1898[3] geregelt, welcher bis zu Japans Niederlage im August 1945 sechsundzwanzig mal geändert wurde.

Die Einheit bestand zunächst aus 349 Mann. Die Durchsetzung des neuen Wehrpflichtgesetzes war ein wichtiger Teil ihrer Pflicht, da es innerhalb der bäuerlichen Familien zu Widerstand gegen dieses kam. Die internen Aufgaben des Kempeitai waren die Richtlinien der Einheit, Personalmanagement und die öffentliche Ordnung ebenso wie die Kommunikation mit den Ministerien der Marine, des Inneren und der Justiz. Seine öffentliche Zuständigkeit umfasste das bereitstellen von Militärpolizeieinheiten für die Armee, generelle öffentliche Sicherheit und Geheimdienstaufgaben.

1907 wurde der Kempeitai nach Korea verlegt[4] wo seine offizielle Hauptaufgabe als “erhalten des Friedens [der japanischen Armee]” definiert wurde. Trotzdem diente er als Militärpolizei für die dort stationierten Einheiten der japanischen Armee. Dort blieb die Einheiten auch nach der Eingliederung Koreas 1910 in das Japanische Kaiserreich als Provinz Chōsen bis zur Bewegung des ersten März 1919 zuständig.

Der Kempeitai erhielt die öffentliche Ordnung in Japan unter dem Kommando des Innenministeriums aufrecht, in besetzten Gebieten unterstand er dem Befehl des Kriegsministeriums. Japan hatte als Teil des Innenministeriums auch eine zivile Geheimpolizei namens Tokkō, welches das japanische Akronym für Tokubetsu Kōtō Keisatsu („Spezielle Höhere Polizei“) ist. Wie dieser übernahm der Kempeitai die vermeintliche Berechtigung solche Leute, denen eine Unterwanderung der öffentlichen Ordnung nachgesagt wurde, wie Kommunisten und Liberale, ohne jeglichen Haftbefehl festzunehmen. Besonders in den 1930ern und 1940ern zögerte der Kempeitai zunehmend nicht, Gefangene zu foltern um Geständnisse zu erpressen.

Wenn der Kempeitai einen Zivilisten festnahm, dessen Straftat unter die Zuständigkeit des Justizministeriums fiel, wurde er normalerweise in ein Zivilgefängnis überstellt und bekam einen zivilen Prozess. Es war jedoch sehr schwer, in einem solchen Prozess seine Unschuld zu beweisen, da es in Japan vor 1948 fast keine Rechte für Angeklagte gab.

Die Kempetai war ab 1937 während des Zweiten Weltkriegs in den besetzten Gebieten unter anderem wegen ihrer Brutalität bekannt. Aber auch im japanischen Kernland, dabei vor allem in seiner Kolonie Chōsen, war sie ebenfalls gefürchtet, besonders als während des Pazifikkriegs Hideki Tōjō Premierminister wurde, welcher von 1935 bis 1937 Kommandeur des Kempeitai der Kwantung-Armee in der Mandschurei war[5] und das Kempeitai dazu nutzte, jeden Japaner loyal zum Krieg stehen zu lassen. Unter Tōjō machte der Kempaitai Japan quasi zu einem Polizeistaat.

Bei Kriegsende hatte der Kempeitai über 36.000 offizielle Mitarbeiter, zu welchen die vielen inoffiziellen Mitarbeiter in besetzten Gebieten nicht hinzu gezählt wurden. Als in den 1930ern und frühen 1940ern viele Gebiete durch Japan besetzt wurden, rekrutierte der Kempeitai viele Einheimische um einfache Aufgaben zu unterstützen. Besonders Formosaner und Koreaner wurden in ganz Südostasien eingesetzt um als Hilfspolizei die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten.

Der Kempeitai wurde nach Japans Kapitulation im August 1945 entwaffnet und aufgelöst.

Die Militärpolizei der heutigen japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte heißt Keimutai, einzelne Mitglieder werden als Keimukan bezeichnet.

Japanische Geheimdienste und die Achsenmächte

In den 1920ern und 1930ern knüpfte der Kempeitai diverse Kontakte mit bestimmten europäischen Vorkriegs Geheimdiensten. Als Japan später den Dreimächtepakt unterzeichnete, wurden offizielle Beziehungen mit diesen, nun faschistischen, Geheimdiensten aufgenommen. Dies waren die deutsche Abwehr und der italienische SIM. Über diese Verbindungen kontaktierten die japanische Armee und Marine die Geheimdiensteinheiten der Wehrmacht, SS und Kriegsmarine hinsichtlich Informationen aus Europa und umgekehrt. Europa und Japan erkannten schnell die Vorzüge dieser Zusammenarbeit (beispielsweise ließen die Japaner dem Dritten Reich vor Operation Barbarossa Informationen über die Stärke der sowietischen Truppen in Fernost zukommen und Admiral Canaris bot seine Hilfe in der Frage der Achtung der portugiesischen Neutralität in Osttimor an).

Ein bedeutender Kontaktpunkt war die U-Boot Basis Penang in Malaysia. In dieser Basis waren U-Boote der italienischen Regia Marina, der deutschen Kriegsmarine und der Dai-Nippon Teikoku Kaigun oder kaiserlichen japanischen Marine stationiert. Hier wurden in regelmäßigen Abständen neue Technologien und Informationen ausgetauscht. Bis zum Ende des Krieges benutzten die Achsenmächte auch Stützpunkte im italienisch besetzten Äthiopien, dem zu Vichy-Frankreich gehörenden Madagaskar und einigen “offiziell” neutralen Orten wie der portugiesischen Kolonie Goa in Indien.

Die Zusammenarbeit der Geheimdienste wurde bis Anfang 1945 fortgesetzt bevor sie wegen der aktuellen Kriegslage nur noch sehr eingeschränkt bis Kriegsende fortgeführt wurde.

Organisation

Der Kempeitai unterhielt ein Hauptquartier in jeder bedeutenden Regionalarmee, kommandiert von einem Shosho (Generalmajor) mit einem Taisa (Oberst) als Stabsoffizier und zwei bis drei von je einem Chusa (Oberstleutnant) kommandierten Außenstellen mit jeweils etwa 375 Mann Personal.

Die Außenstellen wiederum waren nochmals in 65-Mann Sektionen namens buntai geteilt. Jedes buntai wurde von einem Tai-i (Hauptmann) geführt, welcher einen Chu-i (Oberleutnant) als Stabsoffizier und weitere 65 Mann unter sich hatte. Weiter waren die buntai in verschiedene Abteilungen namens bunkentai getrennt, kommandiert von einem Sho-i (Leutnant) mit einem Junshikan (Warrant Officer) als Stabsoffizier und weiteren 20 Mann. Jede Abteilung bestand aus drei Gruppen: einer Polizeigruppe oder Keimu han, einer Verwaltungsgruppe oder Naikin han und einer Gruppe für spezielle Aufgaben oder Tokumu han.

In besetzten Gebieten stellte der Kempeitai Einheiten aus ausländischen Freiwilligen auf. Diese wurden vom Kempeitai unterstützt und in die Organisation eingebunden, ihr Rang war jedoch auf den eines Shocho (Feldwebel) begrenzt.

1937 bestand der Kempeitai aus 315 Offizieren und 6.000 Mann. Diese waren Teil der öffentlich bekannten Truppe. Die Alliierten schätzten, dass der Kempeitai bei Kriegsende aus mindestens 75.000 Mitgliedern, vermutlich auch mehr, bestanden hat. Diese Schätzung schließt verdecktes und inoffizielles Personal mit ein.

Aufgaben in Kriegszeiten

Der Kempeitai war für folgende Bereiche verantwortlich:

  • Ausreisegenehmigungen
  • Arbeitskräfte-Rekrutierung
  • Gegenspionage und Gegenpropaganda (durchgeführt durch das Tokkō-Kempeitai als “Anti-Ideologische Arbeit”)
  • Nachschub-Anforderung und Rationalisierung
  • Operative Information und Propaganda
  • Sicherung rückwärtiger Gebiete
  • Betreiben von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiterlagern. (Das Kempeitai stellte Wachen für verschiedene Menschenversuchseinheiten (Einheit 731 bereit, welche “schwierige” Gefangene beherbergten.)
  • Bereitstellen von Trostfrauen (jugun ianfu) für die Kriegsbordelle.

Uniform

Das Personal trug entweder die Standard M1938 Felduniform oder die Kavallerieuniform mit hohen schwarzen Lederstiefeln. Zivile Kleidung war ebenfalls erlaubt, allerdings mussten Rangabzeichen oder die imperiale Chrysantheme am Revers getragen werden. Uniformiertes Personal trug schwarze Winkelmanschetten an der Uniform und ein weißes Armband am linken Arm mit den Zeichen ken (憲, “Gesetz”) und hei (兵, “Soldat”).

Eine volle Ausgehuniform welche ein rotes Käppi, eine goldene und rote Feldbinde, einen dunkelblauen Uniformrock und Hosen mit schwarzen Lampassen beinhaltete wurde von Offizieren zu zeremoniellen Anlässen bis 1942 getragen. Rangabzeichen waren goldene Schnürungen an den Armen und Epauletten.

Mitglieder waren entweder mit einem Kavalleriesäbel und einer Pistole für Offiziere und einer Pistole mit Bajonett für reguläre Männer ausgestattet. Unteroffiziere trugen ein Shinai, besonders im Umgang mit Gefangenen.

Auslandsspionage

Der Kempeitai war zusammen mit anderen japanischen Geheimdiensten weltweit auch in nichtjapanischen Ländern vertreten. Er stütze sich dabei hauptsächlich auf die lokalen japanischen Gemeinden welche sich seit etwa 1895 durch eine starke Auswanderung bedingt, überall gebildet hatten. Diese Auslandsjapaner wurden als doho bezeichnet. Sie hatten nach Ansicht der japanischen Regierung eine doppelte Staatsbürgerschaft und waren zuallererst dem Kaiser und dem Kaiserreich und dann erst ihrer lokalen Heimat verpflichtet. Es wurden aber auch Einheimische angeworben. So rekrutierte eine Zelle in Nordwestmexiko mehrere amerikanische Seemänner um die Marinebasen entlang der kalifornischen Küste auszuspionieren. Einige von diesen wurden im laufe der Zeit festgenommen und zu Gefängnisstrafen verurteilt.

In Europa waren das offiziell neutrale Spanien und später die Bündnispartner Deutschland und Italien Ausgangszentrum für Spionageaktivitäten auf dem ganzen Kontinent. Besonders Großbritannien wurde als potentieller Kriegsgegner früh ausspioniert.

Der Kempeitai arbeitete auch in verschieden starkem Maße mit Geheimgesellschaften wie zum Beispiel der Genyosha, der Kokuryu-kai oder der Gesellschaft des Schwarzen Drachen zusammen. Diese teils ultranationalistisch geprägten Gruppierungen waren vor allem in den besetzten Gebieten Kontinentalasiens aktiv und verhielten sich teils ähnlich wie das organisierte Verbrechen.

Polit-Dezernat

Das Polit-Dezernat verweist auf die politische und ideologische Abteilung der Kempeitai in der Zeit vor Ausbruch des Pazifikkriegs. Es war dazu da, feindliche Ideologien und Oppositionen zu unterdrücken und die ideologische Moral innerhalb des Militärs aufrecht zu erhalten.

Es diente vor allem als Mittel der politischen Propaganda für die Kriegsbefürworter innerhalb der japanischen Armee. In seiner Anfangsphase richtete diese sich hauptsächlich gegen den Kommunismus, weitete sich mit der Zeit jedoch immer weiter auf andere Bereiche wie das aufrechterhalten der Kriegsmoral im Kernland als auch in den besetzten Gebieten aus.

Haupteinsatzgebiet war hier Mandschukuo und Festland-Asien. Es kann am ehesten mit der politischen Abteilung des NKWD und des Politruk mit seinen Politkomissaren verglichen werden, hatte aber auch Bezüge zu den Propaganda-Abteilungen der SS. Seine Einsatzgebiete waren hauptsächlich das verbreiten rassistischer Theorien, Gegenspionage, Sabotage und das infiltrieren feindlicher Einheiten. Es arbeitete dabei stark mit lokalen Polizei-Einheiten und Geheimdiensten aber auch mit verschiedenen nationalistischen Parteien zusammen und rekrutierte auch Einheimische für Spezialeinsätze.

Struktur der japanischen Geheimdienste

Der Kempeitai war direkt dem Sambo Hombu, dem Generalstab des Heeres, untergeordnet. Dieser wiederum unterstand dem obersten kaiserlichen Generalstab Daihonei, welcher die Aktionen zwischen den drei Teilstreitkräften regelte.

Kempeitai-Abteilungen in annektierten und besetzten Gebieten

  • Kempeitai-Ausbildungszentrum in Keijō (Seoul)
  • Kempeitai-Chōsen-Abteilung in Chōsen (Japanisch-Koreanische Einheiten)
  • Kempeitai-Einheimischen-Abteilung in Mandschukuo(Japanisch-Mandschurische Einheiten)
  • Kempeitai-Einheimischen-Abteilung in Mengjiang (Japanisch-Mongolische Einheiten)
  • Kempeitai-Einheimischen-Abteilung in der Reorganisierten Republik China (Japanisch-Chinesische Einheiten)
  • Kempeitai-Formosa-Abteilung
  • Kempeitai-Südpazifik-Abteilung
  • Kempeitai-Südostasien-Abteilung
  • Kempeitai-Ausbildungszentrum in Singapur
  • Kempeitai-Ausbildungszentrum in Manila (Philippinen)

Öffentliche Wahrnehmung

  • Anders als beispielsweise die SS, ist der Kempeitai nur selten Thema in westlicher Literatur und Filmen. In Clint Eastwoods Film, Letters from Iwo Jima (2006), ist einer der Hauptcharaktere ein ehemaliger Kempei, den die anderen Soldaten ausgrenzen, da sie fürchten er sei als Spion zu ihnen gesandt worden um ihre Loyalität und Moral zu überwachen. Schlussendlich stellt sich heraus, das er zu ihnen versetzt wurde um in der Schlacht um Iwojima zu kämpfen, nachdem er den Befehl eines Offiziers missachtete, einen Familienhund zu erschießen, dessen bellen eine Verletzung der „militärischen Geheimhaltung und Ruhe“ darstellte.
  • In Barfuß durch die Hölle – 1. Teil (Ningen no Jōken I, 1959) des Regisseurs Masaki Kobayashi stellt der Kempeitai 1943 600 „spezielle Arbeiter“ für eine Erzmine in der Mandschurei bereit. Zwei Kempeitai-Offiziere erklären, dass diese Arbeiter von den „normalen Arbeitern“ isoliert werden müssen und befehlen, „ihre Quartiere müssen mit Stacheldraht umzäunt sein“, welcher elektrifiziert ist.

Quellen

  1. Masae Takahashi (Herausgeber und Kommentator), Zoku Gendaishi Shiryo (”Materials on Contemporary History, Second Series”), Volume 6, Gunji Keisatsu (”Military Police”), (Tokyo: Misuzu Shobo, 1982), pp. v-xxx.
  2. Dajokan-Tatsu (Dekret des Großen Rates des Staat) Nr. 11 vom 11. März 1881 (14. Jahr der Meiji-Periode). Dieses Dekret wurde anschließend durch Chokurei (Erlass des Geheimen Rates) Nr. 43 am 28. März 1889 (22. Jahr der Meiji-Periode) geändert.
  3. Erlass des Geheimen Rates Nr. 337 vom 29. November 1898 (31. Jahr der Meiji-Periode)
  4. Erlass des Geheimen Rates Nr. 323 im Jahr 1907 (40. Jahr der Meiji-Periode)
  5. Naohiro Asao, et al. ed., Simpan Nihonshi Jiten (”Wörterbuch der japanischen Geschichte, Neue Ausgabe”, (Tokyo: Kadokawa Shoten, 1997) S. 742 (”Tojo Hideki”), und S. 348-9 (”Kempei”).

Siehe auch

Geheimdiensteinheiten der Achsenmächte in Australien während des Zweiten Weltkriegs.engl.
  • Nationalistische, japanische Gruppierungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegsengl.
  • US-Amerikanische Dokumentation über Kempei(1945)engl.
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