Lockheed-Skandal
Die Lockheed-Skandale wurden durch eine Serie von Bestechungen und Zuwendungen des amerikanischen Flugzeugherstellers Lockheed ausgelöst. Sie verursachten heftige politische Kontroversen in der Bundesrepublik Deutschland, Italien, den Niederlanden und Japan.
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Deutschland
Nach Aussagen des ehemaligen Lockheed-Lobbyisten Ernest Hauser erhielten Verteidigungsminister Franz Josef Strauß und seine Partei 1961 10 Millionen US-Dollar für den Kauf von 916 F-104 Starfighter-Kampfflugzeugen. (→Starfighter-Affäre) Strauß strengte daraufhin eine Verleumdungsklage gegen Hauser an. Die Untersuchung des Falls wurde zunächst aufgrund fehlender Beweise beendet.
Im Vorfeld der Bundestagswahl 1976 wurde die Debatte wiederaufgenommen. Es hatte sich herausgestellt, dass die meisten Lockheed-Dokumente des Verteidigungsministeriums bereits 1962 vernichtet worden waren. Aufgrund weiterer Verdachtsmomente wurde ein Untersuchungsausschuss eingerichtet, der sich von Januar 1978 bis Mai 1979 erneut mit diesem Fall beschäftigte.
Italien
In Italien richtete sich das Interesse auf die Bestechung christdemokratischer Politiker, die die Beschaffung der C-130 Hercules für die italienische Luftwaffe favorisiert hatten. Die Untersuchungen wurden vom Nachrichtenmagazin L’Espresso vorangetrieben und betrafen vor allem den damaligen Staatspräsidenten Giovanni Leone, der am 15. Juni 1978 zurücktrat. Die ehemaligen Verteidigungsminister Mario Tanassi (PSDI) und Luigi Gui (DC) wurden vom Verfassungsgericht verurteilt.[1]
Niederlande
Prinz Bernhard erhielt 1,1 Millionen US-Dollar Bestechungsgelder von Lockheed, um eine Entscheidung zugunsten der Lockheed F-104 und gegen die Dassault Mirage herbeizuführen. Ministerpräsident Joop den Uyl ordnete eine Untersuchung des Falls an. Prinz Bernhard wies zunächst alle Vorwürfe zurück, musste sich aber dennoch aus allen öffentlichen Ämtern zurückziehen. Nach seinem Tod am 1. Dezember 2004 wurde der Untersuchungsbericht veröffentlicht, mit dem seine Schuld zweifelsfrei belegt werden konnte.
Japan
Der japanische Lockheed-Skandal war die größte Korruptionsaffäre im Nachkriegs-Japan. 1976 konnte dem ehemaligen japanischen Premierminister Kakuei Tanaka nachgewiesen werden, dass er von Lockheed drei Millionen US-Dollar erhalten hatte, um sich für den Kauf der Lockheed Tristar durch die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways einzusetzen. Bei der sogenannten „Lockheed-Wahl“ von 1976 verlor seine Liberaldemokratische Partei erstmals die absolute Mehrheit im Unterhaus. Das Strafverfahren gegen Tanaka zog sich jahrelang hin. Er verstarb im Jahr 1993, noch bevor das Urteil der letzten Instanz verkündet wurde.
Vereinigte Staaten
Um die Jahreswende 1975/76 befasste sich ein Unterausschuss des US-Senats mit den Bestechungsvorwürfen und kam zu dem Schluss, dass insgesamt 22 Millionen US-Dollar an Offizielle befreundeter Regierungen gezahlt worden seien, um den Kauf von Lockheed-Flugzeugen herbeizuführen. Daraufhin traten Lockheeds Vorsitzender Daniel Haughton und sein Stellvertreter Carl Kotchian am 13. Februar 1976 von ihren Posten zurück. Der Skandal gab den Anstoß zum Foreign Corrupt Practices Act, der von Präsident Jimmy Carter am 19. Dezember 1977 unterschrieben wurde. Seitdem ist es allen Amerikanern verboten, Bestechungsgelder an Offizielle ausländischer Regierungen zu zahlen.