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Siemens-Skandal

Der Siemens-Skandal (jap. シーメンス事件, Shīmensu jiken, dt. „Siemens-Zwischenfall“) im Januar 1914 war einer der spektakulärsten politischen Skandale der späten Meiji- und Taishō-Zeit in der japanischen Politik. Er umfasste geheime Absprachen zwischen hochrangigen Mitgliedern der Kaiserlichen Japanischen Marine und Siemens und führte zum Sturz des Kabinetts.

Die Kaiserliche Japanische Marine rüstete massiv auf und importierte dafür fortgeschrittene Kriegsgüter wie Kriegsschiffe und Waffen aus Europa. Siemens sicherte sich praktisch ein Monopol auf Rüstungsverträge durch ein Bestechungsgeld von 15% an die für die Ausschreibung Verantwortlichen in der Marine.

Der den Skandal auslösende Schlachtkreuzer Kongō

Die britische Firma Vickers hatte, über die Firma Mitsui Bussan als Mittler, der japanischen Marine ein lukrativeres Geschäft angeboten, mit einem Bestechungsgeld von 25% und 40.000 Yen für den früheren Leiter der für Kriegsschiffe verantwortlichen Hauptabteilung Kansei Hombu (艦政本部) Vizeadmiral Matsumoto Yawara (松本 和), um den Auftrag für den Bau des Schlachtkreuzers Kongō zu erhalten.[1] Als der deutsche Hauptsitz von Siemens 1911 von diesem Geschäft erfuhr, wurde ein Telegramm mit der Bitte um Klarstellung an die Niederlassung in Tokio gesandt. Der Angestellte der Niederlassung Karl Richter stahl belastende Dokumente, die bezeugten, dass Siemens ein Bestechungsgeld von 1.000 Pfund Sterling an die Marine zahlte, verkaufte diese 1914 zusammen mit einer Kopie des Telegramms an die Nachrichtenagentur Reuters und floh nach Deutschland.

Japanische Zeitungen, insbesondere die Asahi Shimbun,[2] berichteten sofort über die Details des Korruptionsskandals und die Angelegenheit wurde von Mitgliedern der Partei Rikken Dōshikai vor das japanische Parlament gebracht. Da der Premierminister Japans Admiral Yamamoto Gonnohyōe auch Marineminister war, hatte der Skandal ernsthafte politische Ausmaße. Die Geheimdienste der Armee, der Marine als auch die Kempeitai (Militärpolizei) strengten Untersuchungen an.

Die Japan Weekly Chronicle berichtete, dass Admiral Fujii Terugorō (藤井 光五郎), Leiter der 4. Abteilung (Schiffbau) der Kansei Hombu, gestand 1911 und 1912 210.000 Yen von Vickers entgegengenommen zu haben und erinnerte ihre Leser daran, dass unabhängig davon ob dies nach japanischen Gesetz legal ist oder nicht, es auf jeden Fall illegal nach dem British Corrupt Practices Act von 1906 sei.

Im Februar 1914 bildeten sich große Demonstrationen, die am 10. und 14. Februar in Gewalt umschlugen. Die öffentliche Meinung empörte sich weiter, als enthüllt wurde, dass die massiven Rüstungsausgaben für die Marine wenig Raum für andere Ausgaben im Haushalt erlaubten und deswegen die Regierung plane die Steuern anzuheben.[3] Obwohl Premierminister Yamamoto nicht direkt damit in Verbindung gebracht wurde und verantwortliche Offiziere entließ, wuchs die öffentliche Unzufriedenheit und Yamamoto wurde aufgefordert, die Vorgänge vor dem Herrenhaus zu erklären.

Nachdem beide Häuser des Parlaments sich weigerten, den Marinehaushalt für 1914 abzusegnen, trat Yamamoto am 24. März zurück und mit ihm stürzte sein Kabinett. Ein Militärgericht degradierte ihn und seinen Vorgänger als Marineminister Admiral Saitō Makoto (斎藤 実), verurteilte führende Offiziere zu Gefängnis, verhängte für Siemens und Vickers hohe Strafgelder und untersagte ihnen die Teilnahme an zukünftigen Ausschreibungen.

Ein paar Wochen später mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde der Bau der Kongō an Vickers angetragen und alle Verantwortlichen begnadigt und rehabilitiert.

Die London Telegram vom 21. Januar 1914 berichtete, dass Karl Richter wegen des Diebstahls der belastenden Papiere und der versuchten Erpressung seines Arbeitgebers, in Deutschland zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.[4] In der New York Times vom 8. Februar desselben Jahres wird die vergleichsweise milde Strafe (die Staatsanwaltschaft hatte 8 Jahre gefordert) dadurch erklärt, dass das Gericht in den „Manipulationen“ von Siemens eine Gelegenheitsstruktur für die Tat erblickte.[5]

Anmerkung: Bei diesem Artikel wird der Familienname vor den Eigennamen der Person gesetzt. Dies ist die übliche Reihenfolge im Japanischen. Yamamoto ist hier somit der Familienname, Gonnohyōe ist der Eigenname.

Literatur

  • John Bowman: Columbia Chronologies of Asian History and Culture. Columbia University Press, 2000, ISBN 0-231-11004-9. 
  • John Owen Haley: The Spirit of Japanese Law. University of Georgia Press, 1998, ISBN 0-8203-2022-6. 
  • J.E. Hoare: Britain and Japan. Biographical Portraits III. RoutledgeCurzon, 1999, ISBN 1-873410-89-1. 
  • Richard Sims: Japanese Political History Since the Meiji Renovation 1868-2000. Palgrave Macmillan, 2001, ISBN 0-312-23915-7. 
  • Toru Takenaka: Die Tätigkeit der Firma Siemens in Japan vor dem Ersten Weltkrieg. In: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Vol. 76, 1989, ISSN 0340-8728. 
  • Toru Takenaka: Siemens in Japan. Von der Landesöffnung bis zum ersten Weltkrieg. Steiner, Stuttgart 1996, ISBN 978-3-515-06462-0 (Aus dem Japan. übers. u. mit e. Einl. v. Wieland Wagner). 

Einzelnachweise

  1. Hoare: Britain and Japan. S. 190
  2. Haley: The Spirit of Japanese Law. S. 63
  3. Sim: Japanese Political History Since the Meiji Renovation 1868-2000. S. 115
  4. Bowman: Columbia Chronologies of Asian History and Culture. S. 150
  5. NYT – Origin of Japans Armament Scandal
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