Tierkreiszeichen
Mit Tierkreiszeichen (auch Sternzeichen) werden zwölf künstlich geschaffene Himmelsabschnitte des Zodiaks (Tierkreis) bezeichnet, die ihren Namen von den auf der Ekliptik liegenden Sternbildern, den Tierkreissternbildern erhielten, jedoch als eine davon unabhängige Kreisteilung anzusehen sind.
Aufgrund der Präzession haben sich die Sternbilder von der Erde aus gesehen bis zum Jahr 2009 gegenüber ihrer ursprünglichen Datierung um etwa einen Monat verschoben. Im in der Antike modifizierten Tierkreis erreichte die Sonne ursprünglich zum Frühlingsbeginn das Zeichen des Widders, weshalb das Frühjahrsäquinoktium in Verbindung mit der Sonne auch als Widderpunkt bezeichnet wird, obwohl in der heutigen Zeit die Sonne erst am 18./19. April in das Sternbild des Widders eintritt.
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Grundlagen
Im Allgemeinen werden die Tierkreiszeichen als zwölf gleich lange, 30° umfassende Abschnitte des Zodiaks angesetzt, es finden sich aber auch Systeme mit variablen Längen, die in den letzten Jahrhunderten entworfen wurden, um die Drift des Widderpunkts auszugleichen. Der griechische Astronom Geminos berichtete im ersten Jahrhundert v. Chr. zudem, dass jedes Tierkreiszeichen in jeweils dreißig Einzelabschnitte gegliedert ist.[1]
Tierkreiszeichen des Zodiaks
Zwölf der insgesamt 88 astronomischen Sternbilder tragen die gleichen Namen wie die zwölf Zeichen des Tierkreises. Der tropische Tierkreis beginnt beim Widderpunkt (mittlerer Frühlingspunkt, englisch first point of aries), der aus historischen Gründen nach dem Beginn des Tierkreiszeichens Widder benannt ist. Ob die Tierkreiszeichen nach den Sternbildern benannt sind, oder die Tierkreissternbilder nach zwölf Symbolen, ist nicht sicher bekannt.
Die Ekliptik verläuft auch durch ein dreizehntes Sternbild, den Schlangenträger, diese dreizehn Sternbilder werden Ekliptiksternbilder genannt.
Es muss für astronomiegeschichtliche Untersuchungen zwischen Positionsangaben nach Sternbildern und nach Tierkreiszeichen unterschieden werden, beide Systeme waren in der Geschichte der Astronomie zu verschiedenen Zeiten oder in verschiedenen Traditionen üblich. Dasselbe gilt für astrologische Betrachtungen. Astrologie, bei der die Himmelskörper des Sonnensystems in Bezug zum Äquinoktium im tropischen Tierkreis gedeutet werden, bezeichnet man als tropische Astrologie.
Präzessionseffekt
Aufgrund der Präzession der Erdachse verschieben sich Sternbild und tropisches Tierkreiszeichen im Zyklus der Präzession (Platonjahr) langsam gegeneinander. Somit verschieben sich die Sternbilder auch relativ zum Frühlingspunkt. Im Jahr 2009 befindet er sich noch bei den Fischen und ist seit etwa 1950 dabei, in den Wassermann überzugehen, den er nach Eintritt nach etwa 2000 Jahren durchwandert haben wird (Zeitalter des Wassermannes).
In der indischen Astrologie sind die 30 Grad großen Tierkreiszeichen dagegen in gewisser Weise an die unterschiedlich großen Sternbilder gebunden und wandern mit ihnen allmählich durch die Jahreszeiten. Diese Art der Astrologie bezeichnet man als siderische Astrologie.
Entstehungszeit der Tierkreiszeichen als Zodiak
Das Konzept geht auf eine in der altägyptischen Spätzeit (etwa 664–332 v. Chr.) erfolgte Verschmelzung der babylonischen und altägyptischen Sternbilder zurück, die bereits im dritten Jahrtausend v. Chr. in der altägyptischen, babylonischen und sumerischen Astronomie mythologisch in Gebrauch waren.
Horoskopähnliche Systeme fanden spätestens ab dem zweiten Jahrtausend v. Chr. im Alten Ägypten als Tagewählkalender Berücksichtigung, nach gleichem Prinzip auch in Mesopotamien.
Etwa im zweiten Jahrhundert v. Chr. sind auch im antiken Griechenland Übernahmen dieses Systems nachweisbar, wobei im ersten Jahrhundert v. Chr. der altägyptische Tierkreis von Dendera als Weiterentwicklung entstand. Der griechische Historiograph, Geograph und Völkerkundler Herodot beschrieb Mitte des fünften Jahrhunderts v. Chr. die mit den Sternbildern im Zusammenhang stehenden horoskopähnlichen Charaktereigenschaften:
„Ferner ist von den Ägyptern auch zuerst festgestellt worden, welcher Monat und Tag den einzelnen Göttern heilig ist und welche Schicksale, welches Ende und welchen Charakter die an diesem oder jenem Tage Geborenen haben werden. Griechische Dichter haben diese Dinge ebenfalls übernommen. Und Vorzeichen haben die Ägypter weit mehr herausgefunden als alle anderen Völker.Wenn etwas Auffälliges geschieht, achten sie auf dessen Folgen und schreiben sie auf. Bei einem ähnlichen Vorfall in der Zukunft glauben sie dann, es müssten wieder die gleichen Folgen eintreten.“
– Herodot[2]
Chinesische Tierzeichen
Die Erdzweige („chinesische Tierzeichen“) haben – obschon vermutlich auch auf mesopotamischer Tradition beruhend[3] – nichts mit dem Sternenhimmel zu tun, sondern sind ein Nummerierungssystem des chinesischen Kalenders, der als astronomischer Kalender auf die tatsächliche Sonnenbahn bezogen ist.
Die chinesische Astrologie beruht hauptsächlich auf den Acht Zeichen des Geburtstermins, zu dem die Erdzweige nur einen Teil beitragen. Im Westen versteht man unter dem „chinesischen Sternzeichen“ meist den Erdzweig des Jahres, der jährlich zum chinesischen Neujahrsfest wechselt.
Bedeutung der Tierkreiszeichen des Zodiaks
Die Sternbilder dienten beispielsweise als Orientierung bei der Seefahrt. Eine Erklärung für die Charakterisierungen der Tierkreiszeichen ist, dass sie aus den mythologischen Gestalten der Sternbilder entstanden sind und dass sie per Analogiedenken mit vertrauten Phänomenen in Verbindung gebracht wurden, und eine Merkhilfe in einem vertrauten Kontext darstellen.
Es gibt aber auch die gegenteilige Meinung, dass die Gestalten der Sternbilder so gewählt wurden, um die bekannte Charakterisierung des jeweiligen Himmelsabschnittes auf diesem festzuhalten. Die oft sehr konstruierte Art der dazugehörigen Sternbilder zum Sternzeichen und die Auswahl der Symbole, die im Gegensatz zu den anderen Sternbildern keine oder nur schwache einzelne mythologische Bezüge haben (z. B: Pices/Fische), stützt diese Theorie. Auch der Hinweis auf die mögliche Verbindung zu Herakles zwölf Heldentaten mit den Sternbildern verstärkt nur den Eindruck, dass es sich um eine gezielte Zwölfteilung der Ekliptik zu dieser Zeit gehandelt hat.
Der Tierkreis bildet die Grundlage für das abendländische Horoskop. Er setzt sich aus zwölf Segmenten zusammen, von denen jedes einem Tierkreiszeichen unterstellt ist. Als Tierkreiszeichen einer Person wird im Normalfall dasjenige bezeichnet, in dem die Sonne zum Zeitpunkt ihrer Geburt stand (Geburtszeichen), seltener den Aszendenten.
Da die Sonne nicht um Mitternacht von einem Tierkreiszeichen in das nächste wechselt, ist die häufig zu findende allgemeine Einteilung nach Kalendertagen nicht vollkommen präzise. Der genaue Zeitpunkt des Übergangs variiert auch von Jahr zu Jahr, da das Sonnenjahr nicht genau 365 Tage lang ist. Astrologen berechnen den Übergang daher genau, in Tierkreiszeichen-Büchern und Zeitungshoroskopen ist dennoch die Angabe von Kalendertagen üblich.
Die Ekliptik schneidet den Kreis Widderpunkt–Himmelsnordpol–Waagepunkt–Himmelssüdpol in zwei Punkten, den Äquinoktien, oder „Knoten der (scheinbaren) Sonnenbahn“, mit dem Widderpunkt als „aufsteigendem Knoten“, daher findet auch in einem Horoskop die Teilung in ein Oben und Unten statt, mit Norden als Oben.
In einer starken Verkürzung verallgemeinert die Astrologie die menschlichen Charaktereigenschaften als Grundeigenschaften der jeweiligen Sternzeichen. Wissenschaftliche Untersuchungen widerlegten jedoch diese Verbindungen (siehe auch Kritik der Astrologie). Die Tierkreiszeichen spielen auch eine Rolle in den Ende des 20. Jahrhunderts wieder in Mode gekommenen Mondkalendern, die auf Frühformen aus dem Mittelalter zurückgehen. Ihre Aussagekraft entspricht wohl der des Horoskops und ist durchaus umstritten.
Die zwölf Tierkreiszeichen des Zodiaks
| Tierkreiszeichen | Symbolik | ekliptikale Länge | Zeitraum des scheinbaren Sonnendurchgangs[4]) | ||
|---|---|---|---|---|---|
| deutsch | lateinisch | ||||
| Widder | Aries | 0°–30° | 21. März–20. April | ||
| Stier | Taurus | 30°–60° | 21. April–21. Mai | ||
| Zwillinge | Gemini | 60°–90° | 22. Mai–21. Juni | ||
| Krebs | Cancer | 90°–120° | 22. Juni–22. Juli | ||
| Löwe | Leo | 120°–150° | 23. Juli–23. August | ||
| Jungfrau | Virgo | 150°–180° | 24. August–23. September | ||
| Waage | Libra | 180°–210° | 24. September–23. Oktober | ||
| Skorpion | Scorpio | 210°–240° | 24. Oktober–22. November | ||
| Schütze | Sagittarius | 240°–270° | 23. November–21. Dezember | ||
| Steinbock | Capricornus | 270°–300° | 22. Dezember–20. Januar | ||
| Wassermann | Aquarius | 300°–330° | 21. Januar–19. Februar | ||
| Fische | Pisces | 330°–360° | 20. Februar–20. März | ||
- siehe auch: Die Dreizehn Ekliptiksternbilder im Artikel Zodiak, mit den Vergleichszeiten der Sonnendurchgänge durch die heutigen Sternbilder
Siehe auch
Literatur
- Robert Powell: Geschichte des Tierkreises. Diss. phil. [Warschau 2004]. Aus dem Engl. übers. von Wilhelm Maas. Astronova, Tübingen 2006. ISBN 3-937077-23-5, 978-3-937077-23-9
- Hans Georg Gundel: Zodiakos: Tierkreisbilder im Altertum. Kosmische Bezüge und Jenseitsvorstellungen im antiken Alltagsleben. Von Zabern, Mainz am Rhein 1992, ISBN 3-8053-1324-1 (Kulturgeschichte der antiken Welt Bd. 54)
- Wolfgang Hübner: Die Eigenschaften der Tierkreiszeichen in der Antike: Ihre Darstellung und Verwendung unter besonderer Berücksichtigung des Manilius. Steiner, Wiesbaden 1982, ISBN 3-515-03337-8 (Sudhoffs Archiv, Beihefte Bd. 22)
- Frances Sakoian, Louis S. Acker: Das große Lehrbuch der Astrologie. Fischer Tb, Frankfurt, 2. Auflage 2005, ISBN 978-3-596-16851-4
Wiktionary: Tierkreiszeichen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
- Arbeitskreis Astrologie der Gesellschaft für Anomalistik e.V.
- Fabelwesen der Sonnenbahn, Wiener Zeitung, 19. August 2006
Einzelnachweise
- ↑ Geminus: Eisagōgē eis ta phainomena – Geminu eisagōgē eis ta phainomena; ad codicum fidem recensuit; Germanica interpretatione et commentariis instruxit Carolus Manitius -. Teubner, Stuttgart 1974, ISBN 3-519-01386-X, Kap. 1; Abschnitte 1-6.
- ↑ Vgl. Herodot-Historien, II, 82.
- ↑ In: Joseph Needham: Wissenschaft und Zivilisation in China. Band 1. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984. Originaltitel: The shorter science and civilisation in China. University Press, Cambridge 1978, dt. Rainer Herbster. ISBN 3-518-57692-5 – Die Pseudowissenschaften und die skeptische Tradition. Kap. 11, S. 255
- ↑ Die Angaben stellen Mittelwerte dar und beziehen sich auf ein Jahr mit 365 Tagen. Schaltjahre sind in den Datierungen der Tierkreiszeichen nicht berücksichtigt.
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