Der Tagesspiegel
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Der Tagesspiegel ist eine 1945 gegründete Berliner Abonnementzeitung. Das Blatt erscheint von Montag bis Sonntag mit einer verkauften Auflage von 133.653 Exemplaren.[1] Damit ist der Tagesspiegel die Berliner Abonnementzeitung mit der dritthöchsten Auflage (nach Berliner Zeitung und Berliner Morgenpost). Er wird im Unterschied zur Berliner Zeitung vor allem im Westteil der Stadt gelesen.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
Die erste Ausgabe der von Erik Reger, Walther Karsch, Heinrich von Schweinichen und Edwin Redslob gegründeten Tageszeitung erschien nach dem Zweiten Weltkrieg am 27. September 1945 unter der Lizenz der Information Control Division der amerikanischen Militärregierung. Das Blatt war zunächst in Berlin und Brandenburg verbreitet, bis 1948 die Blockade den Vertrieb auf West-Berlin beschränkte. Für die Gründung der Zeitung stellte der Geschäftsmann und ehemalige Papierhändler Heinrich von Schweinichen seinen Mitgesellschaftern das Gründungskapital in Höhe von 5000 Reichsmark zur Verfügung und finanzierte die Zeitung aus eigener Tasche in den ersten Monaten ihres Bestehens. Im Juni 1946 wurde von Schweinichen aus bisher nicht restlos geklärten Gründen die Lizenz von der amerikanischen Besatzungsmacht entzogen.[2] Während die übrigen Gründungsherausgeber noch heute im Impressum des Tagesspiegels genannt werden, bleibt der Name von Schweinichens unerwähnt.
Der Tagesspiegel wurde von den Alteigentümerfamilien F.K. Maier und Dannenberger ab 1992 sukzessive an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck verkauft.[3] Mit Wirkung zum 1. Juni 2009 hat die von Dieter von Holtzbrinck neu gegründete Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien) alle Anteile der Tagesspiegel-Gruppe von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck übernommen.[4]
Am 2. Oktober 2009 ist der Tagesspiegel aus dem seit 1954 genutzten Verlagsgebäude an der Potsdamer Straße in ein neues Domizil am Askanischen Platz umgezogen.[5]
Im November 2009 kündigte der Verlag an, ab Juli 2010 auf den Dienst der Nachrichtenagentur dpa zu verzichten.[6]
Layout
Seit 1946 steht unter einer Weltkugel im Kopf der Zeitung das lateinische Motto: rerum cognoscere causas. Das Zitat stammt von Vergil und kann mit „Die Ursachen der Dinge erkennen“ oder freier mit „Den Dingen auf den Grund gehen“ übersetzt werden.[7]
Für sein Layout ist der Tagesspiegel mit dem World’s Best-Designed Newspapers Award 2004 der Society for News Design in New York ausgezeichnet worden.[8]
Ausrichtung und Gliederung
Einer der Herausgeber des Tagesspiegels, Giovanni di Lorenzo, beschrieb seine Auffassung des Blattes mit den Worten: „Zwischen Sein und Schein kann sich eine Qualitätszeitung nur für das Sein entscheiden.“
Der Tagesspiegel ist nach eigenen Angaben seit mehreren Jahren die meistzitierte Hauptstadtzeitung.[9]
Er gliedert sich in die klassischen Ressorts Politik, Wirtschaft, Sport, Kultur, Vermischtes sowie den Berlin-Brandenburg-Teil zwischen Politik und Wirtschaft. Sonnabends enthält die Zeitung einen Teil mit Autoanzeigen sowie einen Immobilienteil. Sonntags erscheint neben dem Stellen- und Reisemarkt die Magazinbeilage Sonntag, die stets ein großes Interview enthält.
Herausgeber und Chefredaktion
Als Herausgeber der Zeitung fungieren derzeit Hermann Rudolph, Giovanni di Lorenzo und Pierre Gerckens, Chefredakteure sind Stephan-Andreas Casdorff und Lorenz Maroldt.
Weitere leitende und im Impressum aufgeführte Redaktionsmitglieder sind u. a.:
- Christiane „Tissy“ Bruns, Politische Chefkorrespondentin
- Harald Martenstein, Autor
- Robert Ide, Ressortleiter Sport
- Harald Schumann, Redakteur für besondere Aufgaben
- Christoph von Marschall, Leiter des Redaktionsbüros Washington
Weitere bekannte Mitarbeiter
Redakteure
- Bas Kast – Volontär (2000), Redakteur im Wissenschaftsressort (2002), seit 2005 Reporter.
- Thomas Lackmann – seit 1991 Feuilletonredakteur.
- Jürgen Schreiber – Chefreporter.
Autoren
- Walid Nakschbandi – Journalist, Fernsehproduzent und Manager in der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.
Kolumnisten
- Heik Afheldt – Kolumnist; Wissenschaftspublizist und war Herausgeber mehrerer deutscher Zeitungen.
- Henryk M. Broder – Publizist und Buchautor.
- Robert Leicht – seit 1997, zuvor Chefredakteur der Zeit.
- Klaus Mertes – Rektor des Jesuitengymnasiums Canisius-Kolleg Berlin und Buchautor.
- Bodo Mrozek – Journalist, Historiker und Buchautor
- Jens Sparschuh – Rezensionen über Hörbücher; Schriftsteller.
Freie Mitarbeiter
- Gabriele Bärtels – Frei Mitarbeiterin; Autorin und Journalistin.
- Uwe Bahn – Reisereportagen; Moderator, Autor und Fotograf.
- Richard Herzinger – Literaturwissenschaftler, Journalist und Publizist.
- Eckart von Hirschhausen – Arzt, Moderator, Kabarettist und Schriftsteller.
- Steffen Jacobs – Literaturkritiker; Lyriker, Essayist, Herausgeber und Übersetzer.
- Antje Joel – Autorin und Journalistin.
- Ulrich Karger – Rezensionen seit 1995; Schriftsteller und Religionslehrer.
- Hans-Peter Kunisch – Schweizer Journalist und Schriftsteller.
- Hagen Liebing – Musiker und leitender Musikredakteur beim Berliner Stadtmagazin tip.
- Wilfried Mommert – prägt die Kulturberichterstattung der dpa.
- Karl Prümm – Rezensionen; Medienwissenschaftler, Hochschullehrer und Begründer des Marburger Kamerapreises.
- Georg Seeßlen – Filmkritiker; Autor, Feuilletonist und einer „der bekanntesten, wichtigsten und produktivsten“[10] deutschen Filmkritiker.
- Anne Siemens – Autorin
- Uwe Soukup – Journalist, Buchautor und Verleger
Ehemalige
Miterhausgeber, Chefredakteure
- Hellmuth Karasek – 1996–2004 Mitherausgeber und Feuilletonchef.
- Günther Rühle – 1990–1995 Feuilletonchef.
- Hans Scholz – 1963–1976 Feuilletonchef.
- Wolf Jobst Siedler – war Feuilletonchef.
- Karl Silex – 1955–1963 Chefredakteur, von vielen als „letzter Chefredakteur der alten Schule“ angesehen
Redakteure
- Lutz Hachmeister – 1987–1989 Medienredakteur.
- Heinz Ohff – (Kürzel: H.O., auch Pseudonym N. Wendevogel) war 1961–1987 für Kultur und Feuilleton verantwortlich. Autor vieler Bücher.
- Thomas de Padova – Wissenschaftsredakteur (1997 bis 2005).
- Moritz Rinke – Schriftsteller, Dramatiker.
- Dietrich Schwarzkopf – Archivar 1946–50, Redakteur ab 1952.
Reporter
- Günter Prinz – nach dem Krieg Polizeireporter.
- Jana Simon – von 1998 bis 2004; Schriftstellerin und Journalistin.
Volontäre
- Egon Bahr – (1948), später SPD-Politiker und von 1972 bis 1976 Bundesminister.
- Klaus Bölling – (1947) erster Volontär des Tagesspiegel, später Redakteur sowie in politischen Ämtern als Regierungssprecher und Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland tätig.
- Elisa Klapheck – (1986/87) Journalistin und Redakteurin, seit 2004 Rabbinerin.
Autoren
- Holger Schück – war Sportjournalist, der sich u.a. auch mit dem Thema Doping befasst hat.
Kolumnisten
- Suzan Gülfirat – machte Ende der 1990er mit der Veröffentlichung eines Kleinen Türkischkurses im Tagesspiegel auf sich aufmerksam, ihr wöchentlicher Gazeteler Rückblick ist eine Art Pressespiegel türkischer Zeitungen in Deutschland.
- Günter Matthes – (Kürzel: thes) war von 1952 bis zu seinem Tod 1995 Kolumnist („Am Rande bemerkt“) und einer der herausragenden Journalisten in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg.
- Christian Ulmen – für Beilage über Fußball.
Freie Mitarbeiter
- Fritz Behrendt – Karikaturist.
- Cherno Jobatey – Fernsehmoderator.
- Basil Kerski – Journalist, Politikwissenschaftler und Essayist.
- Arno Luik – Chefredakteur und Autor.
- Gerhard Mauz – einst sehr bekannter Berichterstatter zahlreicher Gerichtsverfahren der Nachkriegszeit.
- Marion Pfaus – Schriftstellerin und Filmemacherin.
- Joachim Seyppel – in den 1980er Jahren; Schriftsteller und Literaturwissenschaftler.
- Rudolf Teschner – 50 Jahre Freier Mitarbeiter; betreute jede Woche den Schachbereich mit originären Beiträgen bis zu dessen überraschenden Einstellung 2001.
Archiv
Das Online-Archiv des Tagesspiegels ist zum Teil kostenlos zugänglich und enthält Teile der Online-Ausgabe ab 1. Januar 1996. Weitere unter tagesspiegel.de publizierte Artikel können über die Suchmaske eines separaten, kostenpflichtigen Archivs der vom Tagesspiegel den überregionalen „Mantel“ und das Layout nutzenden Potsdamer Neueste Nachrichten abgerufen werden.[11]
Ältere Print-Artikel können zudem kostenpflichtig angefragt werden.[12] Die von Nachrichtenagenturen übernommenen Texte fehlen jedoch.
Literatur
- Der Tagesspiegel. Zeitung für Berlin und Deutschland. Verl. Der Tagesspiegel, Berlin 1.1945,1 (27.Sept.) ff.
Einzelnachweise
- ↑ laut IVW, viertes Quartal 2009, Mo–So (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
- ↑ Wolfgang Schivelbusch: Vor dem Vorhang. Das geistige Berlin 1945–1948. München 1995, S. 254 ff.
- ↑ Frank Kautter: Der Verleger als Erfolgsfaktor der Tageszeitung”, Dissertation an der der FU Berlin, 2007, S. 87, Abgerufen am 1. November 2009
- ↑ Machtwechsel in der Familie Holtzbrinck, meedia.de, 26. März 2009
- ↑ Der Tagesspiegel hat ab heute eine neue Adresse, Tagesspiegel vom 2. Oktober 2009, Abgerufen am 1. November 2009
- ↑ dts Nachrichtenagentur: Paukenschlag in der Medienbranche: Tagesspiegel will keine dpa mehr vom 6. November 2009, abgerufen am 6. November 2009
- ↑ Vgl. Vergil, Georgica II, 490: „felix, qui potuit rerum cognoscere causas“ – „Glücklich wer die Ursachen der Dinge hat erkennen können.“
- ↑ 26th Edition Winners. Society for News Design, 4. März 2005, abgerufen am 8. März 2009 (englisch).
- ↑ Tagesspiegel bleibt meistzitierte Hauptstadtzeitung. Der Tagesspiegel, 11. Januar 2008, abgerufen am 8. März 2009.
- ↑ Rüdiger Suchsland: Sehnsucht und Zerfall. In: Artechock. 11. Oktober 2001, abgerufen am 24. Juli 2008.
- ↑ archiv.pnn.de
- ↑ www.tagesspiegel.de/suche/recherche/