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Neidfeige

Die Feigenhand

Als Feigenhand (auch Neidfeige, Fingerfeige oder „jemandem die Feige zeigen“, mano in fica, mano fico) bezeichnet man eine Geste mit der Hand, bei der der Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger geklemmt wird.

Inhaltsverzeichnis

Verwendung

Gelegentlich wird die Feigenhand bei dem Kinderspiel „Ich habe deine Nase!“ verwendet.

Im American Sign Language-Alphabet steht die Feigenhand für den Buchstaben „T“.

Im antiken Rom war die Feigenhand ein verbreitetes Fruchtbarkeits- und Glückssymbol und diente als Amulett zur Abwehr von bösem Zauber. Auch bei den Germanen wurde sie als Symbol verwendet.[1] Feigenhand-Talismane gelten in Portugal und Brasilien auch heute noch als Glücksbringer.

Feigen (lat.Ficus) und Weintrauben galten in der Antike als Attribute des Wein– und Fruchtbarkeitsgottes Dionysos/Bacchus. So bezeichnet in der italienischen Sprache das Wort „Fica“ nicht nur die Feige als Frucht, sondern auch die Vulva und ist ein Vulgärwort für den Geschlechtsverkehr. „Mit der Feig’n hausieren“ gilt in Wien als volkstümlicher Ausdruck für Prostitution, ein Schürzenjäger ist ein „Feigen-Tandler“.

Die Geste symbolisiert den Geschlechtsverkehr. Sie dient nicht nur der Zurückweisung einer Zumutung (daher auch der Name Neidfeige, der sich etymologisch von mhd. nid = Hass ableitet), sondern auch der Abwehr aller möglichen Übel wie Behexen, Verschreien und dem bösen Blick. Eine apotropäische Funktion haben zahlreiche Amulette in Form einer die Neidfeige formenden Hand, die in Süddeutschland verbreitet waren und (aus Gagat geschnitzt) in Santiago de Compostela an die Pilger verkauft werden (so genannte Santiago-Fica).

Moorleiche von Windeby

1952 wurde im Domslandmoor nahe der Ortschaft Windeby bei Eckernförde in Schleswig-Holstein die gut erhaltene Moorleiche eines etwa 16-jährigen Jungen aus dem 1. Jahrhundert, die sogenannte Moorleiche von Windeby, gefunden. Aufgrund unzulänglicher Geschlechtsbestimmungen und einer falschen Deutung des Fundensembles war diese Leiche viele Jahre als Mädchen von Windeby bekannt.

Um die Todesumstände der zunächst als weiblich angesehenen Moorleiche rankten sich viele Spekulationen und Theorien. Forscher gingen von einer Hinrichtung aus. Als Indizien dafür wurden die ungewöhnliche Frisur, eine Augenbinde sowie die Handhaltung in der Feigenform aufgeführt. An der rechten Hand der Leiche soll der Daumen zwischen Zeige- und Mittelfinger hindurch gesteckt gewesen sein. Diese Handhaltung sowie eine Augenbinde gaben Anlass zu Spekulationen, die damals noch als junge Frau angesehene Moorleiche sei eine zu Lebzeiten ihrem Ehemann untreu gewesene Ehefrau und zur Strafe ins Moor getrieben worden. Das Daumenzeichen war in der Eisenzeit aber noch unbekannt. Später wurde nachgewiesen, dass die betreffende Hand bei der Einlagerung nach der Bergung der Moorleiche verformt worden war.

Siehe auch

Internetseite mit Informationen zur Feigenhand
  • Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann
  • Hexenwahn. Ängste der Neuzeit. Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum
  • Einzelnachweise

    1. http://web.rgzm.de/643.html

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