Schneeberg Erzgebirge
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
50.59416666666712.645555555556470 Koordinaten: 50° 36′ N, 12° 39′ O | ||
| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Sachsen | |
| Direktionsbezirk: | Chemnitz | |
| Landkreis: | Erzgebirgskreis | |
| Höhe: | 470 m ü. NN | |
| Fläche: | 23,34 km² | |
| Einwohner: | 15.770 (31. Dez. 2008)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 676 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 08289 | |
| Vorwahl: | 03772 | |
| Kfz-Kennzeichen: | ERZ (alt: AU, ASZ) | |
| Gemeindeschlüssel: | 14 5 21 530 | |
| Adresse der Stadtverwaltung: | Markt 1 08289 Schneeberg | |
| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Frieder Stimpel (CDU) | |
| Lage der Stadt Schneeberg im Erzgebirgskreis | ||
Schneeberg ist eine Stadt im sächsischen Erzgebirgskreis. Sie hat 16.000 Einwohner und gehört zum Städtebund Silberberg.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie
Schneeberg liegt an der Silberstraße im oberen Westerzgebirge. Weithin sichtbar ist die markante St. Wolfgangskirche. Der Stadtkern liegt auf dem 470 m ü. NN hohen Schneeberg, der der Stadt ihren Namen gab. Zu den umliegenden Erhebungen gehören im Osten der Gleesberg (598 m) und im Norden der Keilberg (557 m).
Geschichte
Die über 500-jährige Geschichte Schneebergs ist vor allem vom Bergbau geprägt, dem die Stadt ihre Gründung am 6. Februar 1471 verdankt. Der ursprüngliche Silberbergbau wich seit Mitte des 16. Jahrhunderts dem Abbau von Cobalt und Bismut.
Am 19.April 1945 erfolgte ein Bombenangriff auf Schneeberg, dem die St.Wolfgangskirche zum Opfer fiel. Sie brannte aus, die Gewölbe stürzten später ein. Das ehemalige Fürsten- oder Bachsches Haus brannte ebenfalls aus und wurde 1954 bis 1957 wieder aufgebaut, ebenso das zerstörte Nachbarhaus.[2]
Mit dem Uranbergbau für die sowjetische Atomrüstung, der von 1946 bis 1958 andauerte, stieg die Einwohnerzahl der Stadt rasch an, sodass Schneeberg von 1952 bis 1958 den Status einer kreisfreien Stadt innehatte. Danach gehörte sie wieder zum Kreis Aue.
Eingemeindungen
- 1939 Bergstadt Neustädtel, in deren Nähe sich die beliebten Ausflugsziele Gleesberg und Filzteich befinden
- 1952 Gemeinde Griesbach, nordwestlich von Schneeberg gelegen
- 1999 Gemeinde Lindenau
Einwohnerentwicklung
Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960: Stichtag 31. Dezember):
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(1) 29. Oktober
(2) 31. August
(3) Angaben durch den Stadtchronisten der Bergstadt Schneeberg
Gedenkstätten
- Ein Gedenkstein im Ortsteil Neustädtel am Strandbad Filzteich erinnert an die drei Hitlergegner Emil Max Haufe, Ernst Georg Enderlein und Richard Alfred Schubert, die im März 1933 von SA-Männern im Zeisigwald misshandelt und im Turnerheim des Arbeiterturn- und Sportbundes erschlagen und anschließend im Filzteich versenkt wurden.
- Grabstätten und Gedenksteine auf dem Friedhof des Ortsteiles Neustädtel erinnern an elf Kinder, Frauen und Männer, die 1940 ein Opfer von Zwangsarbeit in der Rüstungsproduktion wurden, sowie an vier namentlich unbekannte Opfer der Hitlerdiktatur
Politik
Städtepartnerschaften
Schneebergs Partnerstädte sind:
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Die St. Wolfgangskirche ist eine der größten und architektonisch ausgereiften Kirchen der Spätgotik und ein früher Typus des reformatorischen Kirchenbaus. Sie wurde bei einem Luftangriff im April 1945 zerstört. 1945 wurde das Gotteshaus enttrümmert, bis 1952 der Turm rekonstruiert. 1955-1959 erfolgte der Dachaufbau mit einer Stahlkonstruktion, nach Sicherung der Umfassungsmauern durch einen Stahlbeton-Ringanker. Es folgten in den nächsten Jahren die Emporenbogen, die Wandpfeiler und 1976 die Einwölbung in der ursprünglichen Form.[2] Im Innern der Kirche befinden sich Werke von Lucas Cranach d. Ä. und der Malerfamilie Krodel, die vor dem Bombenangriff hatten gerettet werden können. An die Familie Krodel erinnerte der Ende 2005 abgerissene Krodel-Brunnen.
Zu den weiteren baulichen Sehenswürdigkeiten im historischen Stadtkern zählen das Mitte des 19. Jahrhunderts neu errichtete, neogotische Rathaus, diverse Barockbauten und bergbauliche Denkmäler. In der Kirchgasse befindet sich das Schumannhaus, in dem Carl Schumann, Bruder des Komponisten Robert Schumann, im 19. Jahrhundert eine Druckerei betrieb.[3]
Durch Schneeberg verläuft der Bergwanderweg Eisenach–Budapest.
Die Bergbaulandschaft um Schneeberg und Neustädtel bildet einen Kern des angestrebten UNESCO-Weltkulturerbes „Kultur- und Montanlandschaft Erzgebirge“, wobei die Fundgrube Weißer Hirsch und die Schneeberger Altstadt inklusive der Kirchen St. Wolfgang und St. Trinitatis sowie Rathaus, Fürsten-, Schmeil- und Bortenreuther-Haus sowie in Neustädtel die Fundgruben Wolfgangmaßen, Daniel, Sauschwart und Gesellschaft, der Filzteich und das Siebenschlehener Pochwerk samt dem Knappschaftsteich als schützenswerte Bereiche definiert werden.[4]
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
In Schneeberg endet die von Leipzig kommende Bundesstraße 93, die einst über die Grenze weiter nach Karlsbad führte. Außerdem führt die Bundesstraße 169 von Plauen nach Chemnitz durch die Stadt.
Von 1859 bis 1952 hatte die Stadt mit einer 5 km langen Stichstrecke nach Niederschlema einen Eisenbahnanschluss an die Bahnlinie Zwickau−Schwarzenberg/Erzgeb.−Johanngeorgenstadt−Karlsbad.
Staatliche Einrichtungen
Schneeberg war bis 31. März 2008 Standort des Gebirgsjägerbataillons 571 und der Versorgungskompanie 370 der Bundeswehr.
Bildung
Schneeberg verfügte über ein Lyzeum, aus dem 1888 ein Gymnasium hervorgegangen ist. Weiterhin gibt es eine Spitzenklöppelschule. Früher befanden sich auch eine Kunstschule, ein berufliches Gymnasium und ein Lehrerseminar in der Stadt. Das Schneeberger Johann-Gottfried Herder Gymnasium wurde 2004/2005 im Rahmen einer „Capital“-Studie zum „besten Gymnasium Sachsens“ gekürt. Es genießt über Landesgrenzen hinweg über einen hervorragenden Ruf. Nicht zuletzt ist Schneeberg Hochschulstandort. Hier befindet sich die Hochschule für Angewandte Kunst Schneeberg mit den Studienrichtungen Holzgestaltung, Modedesign, Textilkunst/-design und Musikinstrumentenbau. Die Hochschule für Angewandte Kunst, Fachbereich der Westsächsischen Hochschule Zwickau, genießt internationalen Ruf.
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
- 2002: Werner Unger (* 1922), Heimatforscher
- 1992: Walter Rau (1909–1992), Pädagoge
- 1991: Gerhard Heilfurth (1909–2006), Volkskundler
- 1985: Werner Kempf (1925–1999), Maler
- 1981: Karl Schreiter (1903–2001), Feuerwehrmann
- 1965: Artur Günther (1885–1974), Heimatforscher und Kommunalpolitiker
- Carl Bernhard Speck (1831–1905), konservativer Politiker, Bürgermeister und Ehrenbürger in Neustädtel, MdL (Königreich Sachsen)
Söhne und Töchter der Stadt
- Hans Schenck (* um 1500−ca. 1566), Bildhauer in Berlin
- Martin Planer (* um 1510–1582), kursächsischer Oberbergmeister
- Andreas Musculus (1514−1581), Professor an der Universität Frankfurt (Oder) und Generalsuperintendent der Mark Brandenburg,
- Ambrosius Lobwasser (1515−1585), humanistischer Schriftsteller und Übersetzer
- Kaspar Eberhard (1523−1575), lutherischer Theologe und Pädagoge (1523-1575)
- Petrus Albinus (1543−1598), Rektor der Universität Wittenberg und kursächsischer Geschichtsschreiber
- Erasmus Schindler (1608–1673), Handelmann und Blaufarbenherr, Gründer des Schindlerschen Blaufarbenwerks
- Veit Hans Schnorr von Carolsfeld (1644−1715), Hammerherr und Gründer von Carlsfeld
- Christian Hauschild, (1693–1759), deutscher evangelischer Theologe
- Georg Gottlob Richter, (1694-1773), deutscher Mediziner
- Karl Gottlob Hofmann (1703−1774), lutherischer Theologe und Historiker
- Christoph Bauer (1718-1778), lutherischer Theologe
- Gottfried Christoph Härtel (1763–1827), Musikverleger (Breitkopf & Härtel)
- Carl Friedrich Döhnel (1772−1853), Mundartliterat, Rechtsanwalt und Notar
- Christian Friedrich Brendel (1776−1861), Bergingenieur
- Heinrich Stölzel (1777−1844), Musiker
- Christoph Friedrich Otto (1783−1856), Gärtner und Botaniker
- Carl Anton Bretschneider (1808−1878), Gymnasialprofessor
- Friedrich Wilhelm Schwamkrug (1808-1880), Oberkunstmeister
- Auguste Peltz (1824-1900), Puppenfabrikantin
- Christian Friedrich Röder (1827−1900), Schuldirektor, Dichter und Sänger des Erzgebirges
- Otto Schill (1838−1918), Jurist und Kommunalpolitiker in Leipzig
- Hans von Trebra-Lindenau (1842–1914), deutscher Jurist und Politiker, MdL
- Christian Hermann Walde (1855−1906), Fachschuldirektor in Sachsen und Schlesien, Fachbuchautor
- Edwin Bauersachs (1893−1948), erzgebirgischer Mundartdichter
- Armin Günther (1924−2003), Fußballspieler SC Wismut Karl-Marx-Stadt
- Hannes H. Wagner (*1922) , deutscher Maler und Grafiker, Professor in Halle/Saale
- Egon Günther (* 1927), deutscher Regisseur
- Siegfried Voigt (* 1950), Handballspieler
- Enrico Kern (* 1979), deutscher Fußballspieler bei Hansa Rostock
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
- Peter Weidenhammer (um 1480−um 1540), Alchimist, führte die Blaufarbenherstellung im Erzgebirge ein
- Adam Siber (1516−1584), deutscher Humanist und Pädagoge
- Andreas Reinhard (1571−1613), Rechenmeister und Verfasser eines Lehrbuchs für den Mathematikunterricht
- Johann Zechendorf (1580−1662), Philologe und Pädagoge
- Johann Böhme (1623−1663), Bildhauer
- Christian Meltzer (1655–1733), Pfarrer und Chronist des Erzgebirges, verbrachte einige Jahre in Schneeberg und ist Verfasser der Historia Schneebergensis renovata
- Christoph Gottlob Grundig (1707−1780), Theologe, Mineraloge und Publizist
- Gottlob Heinrich von Lindenau (1755–1830), königlich-sächsischer Kammerherr, Kreisoberforstmeister und Rittergutsbesitzer
- Ernst August Geitner (1783−1852), Chemiker, Arzt und Erfinder des Argentan
- Ernst Köhler (1829−1903), Pädagoge, Volkskundler und Begründer des Erzgebirgsvereins
- Guido Alfred Dost (1859–1929), Volksschullehrer, Komponist, Heimatkundler und Mundartdichter des westlichen Erzgebirges
Sonstiges
Die Schneeberger Erkrankung
Medizinern ist Schneeberg im Zusammenhang mit dem Schneeberger Lungenkrebs ein Begriff. Dabei handelt es sich um eine besondere Form des Lungenkrebses, der durch Inhalation von radioaktivem Radon auftritt. Erstmals wurde diese Tumorform bei Bergleuten beschrieben, die im Bereich Schneeberg im Uranabbau (bzw. der zur Urangewinnung notwendigen Pechblende) tätig waren.[5]
Einzelnachweise
- ↑ Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen – Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Hilfe dazu)
- ↑ a b Heinrich Magirius in “Das Schicksal deutscher Baudenkmale im zweiten Weltkrieg”. Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag Berlin 1978. Band 2, S.464
- ↑ Homepage der Touristinformation Schneeberg
- ↑ Freie Presse, Lokalausgabe Aue vom 20. Dezember 2008: Schneeberg ist Vorreiter in Sachen Welterbe – Stadt hält erste Studie zu schützenswerten Objekten innerhalb der Montanregion Erzgebirge in den Händen
- ↑ Schneeberg lung disease and uranium mining in the Saxon Ore Mountains (Erzgebirge).
Literatur
- Hans Ebert, Siegfried Pausch, Gerold Schürer: Die Bergstadt Schneeberg im Erzgebirge, Schneeberg 1982
- Uwe Gering (Hg.): Schneeberg, Gering-Verlag, Königstein/Taunus 1994
- Karl Lehmann: Chronik der freien Bergstadt Schneeberg, Schneeberg 1837
- Christian Meltzer: Bergkläufftige Beschreibung Der Churfürstl. Sächß. freyen und im Meißnischen Ober-Ertz-Geburge löbl. Bergk-Stadt Schneebergk, Schneeberg 1684 (Digitalisat)
- Christian Meltzer: Historia Schneebergensis renovata. Schneebergische Stadt- und Berg-Chronic, Schneeberg 1716 (Reprint Elterlein-Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-9800565-2-X)
- Siegfried Sieber: Die Bergbaulandschaft von Schneeberg und Eibenstock: Ergebnisse der heimatkundlichen Bestandsaufnahme im Gebiet von Schneeberg und Eibenstock, Werte der deutschen Heimat Bd. 11, Akademie-Verlag, Berlin 1967
Commons: Schneeberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
- Website der Bergbrüderschaft “Schneeberger Bergparade” e.V.
- Schneeberg im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
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